27. April 2012

Unbesiegbar (Nicolás Gómez Dávila)


"Die moderne Welt scheint unbesiegbar.

Wie die ausgestorbenen Saurier."

Mit Dank an Martin und den Brettenbacher, die mich auf den kolumbianischen Philosophen aufmerksam gemacht haben, dessen "Scholien zu einem inbegriffenen Text" ich gerade zu lesen beginne.

Erschienen sind die "Scholien" im österreichischen Karolinger Verlag. Hätte ich vor der Bestellung doch nur dieses Interview gelesen:

Liane von Billerbeck:
"(...) das Interessante ist, dass in diesem Verlag auch zwei Vordenker der Neuen Rechten veröffentlich werden, nämlich Günter Maschke und Armin Mohler.

Wieso, Frau Löffler, wird das so widerstandslos hingenommen.

Ich habe jedenfalls vor Ihrem Artikel noch nichts darüber gelesen."
Sigrid Löffler:
"Es ist möglicher Weise eine gewisse Schlamperei und Oberflächlichkeit in der Recherche.

Es hat tatsächlich vor mir offenbar noch niemand diesen Verlag etwas genauer angeschaut, diesen Karolinger Verlag, der nun wirklich ein Dunkelmännerverlag ist, wo sich sehr dubiose Leute mit sehr dubiosen Ansichten versammeln." (Deutschlandradio Kultur, "Das hat etwas Perverses", 05.10.2007)
Zur Erläuterung des Interviews:

Eine frühere Teilausgabe der 'Scholien' war von Martin Mosebach heraugegeben worden, der 2007 den Georg-Büchner-Preis erhalten sollte.

Dagegen erhob Frau Löffler massiv Einspruch, hatte der Herr Mosebach doch für seinen Dávila einen Verlag gesucht, in dem sich 'sehr dubiose Leute' (Frau Löffler meinte wohl: 'Faschisten', hatte aber vielleicht vor dem Interview den Justitiar des Deutschlandradios konsultiert) versammeln...

Und nun steht das Buch dieses anrüchigen Mannes in meiner Bibliothek.

Ob ich einen Entnazifizierungsexperten um Desinfektion der Wohnung bitten sollte?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Steht bei mir auch im Regal (andere Ausgabe allerdings) - in Nähe übrigens von Leon Bloy-Büchern aus dem Karolinger Verlag (Leon Bloy wurde sowohl von Carl Schmitt als auch Ernst Jünger sehr geschätzt).

An den infamen Kommentar Frau Löfflers zur Büchnerpreis-Vergabe erinnere ich mich noch sehr gut. Eine Rolle mag dabei auch spielen (neben politischen Divergenzen), dass Mosebach den Löffler-"Schützling" Elfriede Jelinek mal als "dümmste Person der westlichen Hemisphäre" bezeichnet hat.

Damit nicht genug. In der inzwischen eingestellten Literatursendung "Die Vorleser" weigerte sich die "Literaturkritikerin" Amelie Fried, sich auf Löffler beziehend, Mosebachs Roman "Was davor geschah" zu besprechen, den hatte ihr Kollege Mangold ausgesucht. Leider konnte ich auf youtube die Sendung nicht finden, die Reaktion Frieds kommt einem geistigen Offenbarungseid gleich.

ChB

Morgenländer hat gesagt…

@ChB:

Ich konnte mich gestern kaum von den "Scholien" losreißen - ein so freier Blick bei solcher Prägnanz des Ausdrucks!

Die Einlassung der Frau Löffler, die Sie zu Recht infam nennen, muss ich seinerzeit überlesen haben - ich bin ja einiges an 'politischer Korrektheit' gewöhnt, aber dass es mittlerweile sogar möglich ist, einen Autoren zu denunzieren, weil sein Verlag unter anderem auch rechtskonservative Autoren verlegt, hat mich doch einen Augenblick sprachlos gemacht.

Friedrich Kuhlau hat gesagt…

Sehr geehrter Morgenländer,

Desinfektion genügt da wohl nicht, da kann gleich die Antifa-Brigade mit dem Flammenwerfer ausrücken. Bücher werden nämlich verbrannt - das war doch immer schon das Mittel der Wahl, um unliebsame Autoren zu entsorgen!

Und Sie dürfen sich dann eine neue Wohnung suchen ...

Alipius hat gesagt…

Dávilas Aphorismen sind genial und entziehen sich grade wegen ihrer Prägnanz und Präzision streng genommen auch dem Verstehens-Horizont desjenigen, zu dessen Muttermlich Schlagworte wie "rechts" oder "links" oder "Dunkelmänner" gehören.

Morgenländer hat gesagt…

@Friedrich Kuhlau und Alipius:

Was Dávila wohl den von Billerbecks und Löfflers erwidert hätte? Vielleicht dies:

"Es genügt zu sehen, wer uns beleidigt, um uns gerächt zu wissen." (Scholien, S. 311)

MartininBroda hat gesagt…

Da hatte ich doch glatt meine lobende Erwähnung übersehen, man dankt. Ja so ist es, wenn sich Ressentiment und Selbstgefälligkeit mit überschaubaren Geistesgaben verbinden. Ansonsten, wie sollte man noch etwas sagen, daß (auch) dieses Dávila Wort überbieten könnte.

Morgenländer hat gesagt…

Lieber Martin,

ich habe zu danken, für die Dávila-Empfehlung und überhaupt.

Herzliche Grüße
Morgenländer