3. April 2012

Das Haus der Lüge

Mondlandung: Buzz Aldrin mit US-Flagge, 20.07.1969

Zum gestrigen Beitrag gab es zwei Kommentare, die mich ein bisschen zum Nachdenken gebracht haben.

Ich hatte die Medienberichterstattung zum Emder Mädchenmord kritisiert.

Alex wandte daraufhin ein, es sei falsch, die Medien für die Natur des Menschen verantwortlich zu machen. Der Mensch sei, wie er sei; und die Neigung zum Lynchmord sei nicht durch die Medien zu verantworten.

Und Martin gab zu bedenken, dass Medien einfach nur abbildeten, was ohnehin vorherrsche; man tue also gut daran, meinten beide, ein realistisches Bild vom Menschen zu gewinnen.

Es ist sicher richtig, dass Medien Bedürfnisse bedienen, die schon vor ihnen da waren, und dass es deshalb illusionär wäre zu glauben, der Mensch an sich sei 'gut' und werde nur durch böse Medienerzeugnisse zum Bösen verführt.

Das ist in meinen Augen aber nur eine Seite der Medaille.

Die andere ist, dass Menschen in einer Welt agieren, die sie nur zu einem sehr kleinen Teil selbst wahrgenommen haben.

Der größere Teil der Welt kommt uns durch Zeugnisse anderer ins Haus: Berichte von Freunden und Nachbarn, Bücher, Film und Fernsehen.

Und es könnte einen ins Grübeln bringen, wenn man einmal überlegt, wie wenig Welt wir aus 'erster Hand' kennen.

Ich weiß, dass Goethe am 22. März 1832 in Weimar gestorben ist.

Woher ich das weiß? Ich habe es vor Jahr und Tag in der Schule gelernt.

Mein Deutschlehrer seinerseits wird dies an der Universität gelernt oder in einer Literaturgeschichte gelesen haben.

Wem Zweifel an der Information kommen, mag in Wikipedia nachschauen - oder im Brockhaus. Und wenn beide Lexika das gleiche sagen, wird es wohl stimmen.

Aber sind es denn von einander unabhängige Zeugnisse oder haben die Wikipedia-Autoren Goethes Todestag nicht vielleicht selbst im Brockhaus nachgeschlagen?

Man wird lange nachforschen müssen, bis man auf jemanden trifft, der die Sterbeurkunde selbst in Augenschein genommen hat.

Tatsächlich vertraut man stattdessen den Zeugnissen Dritter, weil man sie selbst für vertrauenswürdig hält.

Und man vergisst gern, dass dieser Mechanismus überall greift: Homo sapiens ist auch ein homo credulus.

Kaum einer von uns hat weltbildprägende Ereignisse wie etwa die Mondlandung selbst beobachtet; und auch der Mühe, die diesbezüglich allerorten kursierenden Verschwörungstheorien eigenhändig zu überprüfen, unterzieht sich kaum jemand - man vertraut darauf, dass andere dies getan haben.

Nicht nur an geschichtliche Ereignisse, selbst an Dinge, die ich persönlich hier und heute in Augenschein nehmen könnte wie etwa die Existenz Göttingens, ja sogar die der Flämischen Straße in Bremen 'glaube' ich, weil Zeugen und Zeugnisse, die mir als glaubhaft erscheinen, sie verbürgt haben - ich selbst war noch nie dort.

Tatsächlich würde unsere Welt dramatisch schrumpfen, wir könnten kaum noch einen Schritt in ihr tun, wenn wir den Zeugnissen Dritter grundsätzlich kein Vertrauen schenken würden.

Diese unser Menschsein bestimmende 'Leichtgläubigkeit' hat aber auch ihre Schattenseiten.

Ich habe gute Gründe, meiner Freundin zu glauben, wenn sie mir berichtet, jüngst in einem Land namens Kambodscha Urlaub gemacht zu haben. Sie ist, wie ich aus jahrelanger Erfahrung weiß, eine vertrauenswürdige Person.

Wie gut aber sind meine Gründe, einem Online-Lexikon wie Wikipedia oder der Berichterstattung von SPON, FAZ online und Süddeutscher Zeitung zu vertrauen*?

Jeder hier kann wohl Dutzende Beispiele nennen, in denen diese Presseerzeugnisse Falschinformationen in die Welt gesetzt oder tendentiös berichtet haben.

Auch dass diese Medien oft einer Agenda folgen, in der 'Wahrhaftigkeit' nicht das vordringlichste Anliegen ist, bezweifelt wohl niemand.

Und da hier wohl keiner für die Wiedereinführung der Pressezensur plädiert, ist die einzige Gegenwehr, die uns zur Verfügung steht, wachsam zu bleiben und Lügen und Lügner beim Namen zu nennen.

*Oder, da wir hier unter uns sind, den Erzeugnissen des Web 2.0, in dem (semi-)anonyme Blogger und Netzwerker ihre Sicht der Dinge unterbreiten, ohne dass wir auch nur die Möglichkeit hätten, ihre Vertrauenswürdigkeit einem Test zu unterziehen.

Kommentare:

OneBBO hat gesagt…

Gerne mach ich fünf oder mehr Ausrufezeichen unter den letzten Absatz! Jeder, der sich in einem Gebiet auskennt, wird bald erkennen, wie tendentiös, gelenkt und verlogen selbst seriöse Zeitschriften sind. Und dann ist es nur logisch, auch die restliche Berichterstattung sozusagen mit "spitzen Fingern" anzufassen.

Konkret: Wenn ich oben auf der Seite einen Artikel sehe, der mal wieder Unsinn über Ernährung zu verbreiten sucht - ein Thema, in dem ich mich auskenne - warum soll ich dann dem nächsten Artikel Glauben schenken, an dem anhand dubioser Statistiken die Gefahr von Computerspielen hochgespielt wird? Und so weiter...

Johannes hat gesagt…

Von daher halte eine klare philosophische Weltanschauung, was meinen Teil angeht, für unabgingbar, in dem Sinn, dass man eine tragfähige Position einnimmt, von der aus man die Welt anschaut. Eine solche wird letztlich immer eine geglaubte sein, für die es aber hinreichende Gründe geben kann, sie nicht für unvernünftig zu halten und ihr Glauben zu schenken. Bei mir ist es übrigens die katholische.
Gruß zurück nach hier.

Brettenbacher hat gesagt…

Und bei dem Physiker Carl-F. von Weizsäcker habe gelesen, daß er, um auch nur zu einem kleinen selbständigen Gedankenschritt zu kommen, auf weiter Strecke sich müsse von auf Treu und Glauben hin Angenommenen tragen lassen. Wollte er jedes Ergebnis,
auf das er sozusagen seinen Fuß setze, als ein autonomer
prüfen, wäre er nie auch nur zu einem einzigen eigenen
Gedanken gekommen.
Das ist nobel von dem Herrn, daß er es zugibt, und halber so gedacht haben wir uns es schon vorher.
Auf die Unterscheidung der Geister kommt es eben überall
an.
Und diese Unterscheidung ist möglich. Wie Theodor Haecker hundertmal sagt: Man hört es der Stimme an.
Und gerade der geschriebenen Stimme können wir es anhören.
Der Seelenpornographie der "BILD" gegenüber kann ich mir
nichts anderes vorstellen, als völlige Immunität.
Vor der Stimme der FAZ aber graust mich mehr und mehr.

Morgenländer hat gesagt…

Ja, nach diesem Selektionsprinzip verfahre ich auch. Man muss allerdings sagen, dass die Zahl seriöser, d.h. glaubhafter, Quellen von Jahr zu Jahr kleiner wird, zumal die scheinbare Medienvielfalt hierzulande darüber hinwegtäuscht, dass allzuoft der eine beim anderen (oder bei einer Nachrichtenagentur) nur abschreibt, ohne den Wahrheitsgehalt der Meldung selbst zu überprüfen.

Morgenländer hat gesagt…

Ich kann dir hier nur zustimmen. Chesterton hat es einmal sehr schön ausgedrückt:

"It is idle to talk always of the alternative of reason and faith. Reason is itself a matter of faith. It is an act of faith to assert that our thoughts have any relation to reality at all."
(Orthodoxy, 1908)

AnnetteWeber hat gesagt…

In deinem Kommentar gestern ging es ja außerdem auch um diese Doppelmoral, einerseits für eine Vorverurteilung mit verantwortlich zu sein, zum anderen einen Tag später die Vorverurteilung der "anderen" anzuprangern. Das ist noch mal eine furchtbare Scheinheiligkeit.

Ich lese deinen Blog total gerne und bewundere immer die Mühe, die du dir machst.
Gruß Annette

Morgenländer hat gesagt…

Weizsäckers Bemerkung zeigt sehr schön, weshalb eine Welt ohne Vertrauen in die Wahrhaftigkeit der anderen eine unerträglich enge, letztlich wohl auch ungeistige wäre, denn "Geist" ist ja geteilte Welt.

"Vor der Stimme der FAZ aber graust mich mehr und mehr."

Mir auch, und das ist doch wirklich eine traurige Sache.

Morgenländer hat gesagt…

Liebe Annette,

danke für das Kompliment!

"In deinem Kommentar gestern ging es ja außerdem auch um diese Doppelmoral (...)"

Ja, das macht die ganze Angelegenheit besonders perfide.

Und diese Leute scheinen auch unfähig (oder unwillig) hinzuzulernen:

"Spiegel TV" etwa brachte gestern ein Interview mit einem 'Freund' des jetzt Tatverdächtigen und SPON hatte einen Artikel über die angeblich lang bekannte Aggressivität des mutmaßlichen Täters.

Wenn es ihnen nicht einmal nach einem solchen Desaster möglich ist, mal für eine Weile Ruhe zu geben, wann dann?

BHR hat gesagt…

Ohne jeden Anspruch auf ernsthafte Beachtung meines Kommentares oder gar Vollständigkeit werfe ich an dieser Stelle ein: Die Medien sind so wichtig wie WIR sie als Nachrichtenkonsumenten (= Verbraucher = Nachrichtenkunden) machen.
Und wer ist dieses "wir"? Ich setze mich zwar damit dem Vorwurf einer sozialen Arroganz aus, aber ich behaupte es trotzdem: Die Welt (kurz: die "wir"-Masse) will doch betrogen werden. Und ob zwei Millionen Bildleser für's Lynchen eintreten oder nicht ist insofern irrelevant, als dass von diesen keine zwei ihren Hintern vom TV-Konsum plattgesessenen Sofa hochbekommen. Die meisten dieser Sorte von Nachrichtenkonsumenten fühlen sich doch nach Äußerung oder positiver Rezeption einer noch so populistischen Meinung schon so, als hätten sie sie höchstpersönlich die Tat umgesetzt. Und lassen sich, nach kurzer Andeutung einer Aufstehbewegung, zufrieden in die Pfühle zurücksinken. Bleibt ein winziger Teil des "wir" übrig, der tiefer über dies alles nachdenkt. Und dieser kleine Teil braucht derartige Nachrichten eigentlich nicht, um zu vestehen was los ist. Es sind doch seit ewigen Zeiten dieselben platten Geschichten - wer ist denn noch wirklich überrascht, wenn er Nachrichten hört? Ändern solche Meldungen meine Art zu leben? Mitnichten! Was haben Ölplattformexplosionen, Irak-Krieg, Hindukusch, arabischer Frühling oder Massaker an Breitmaulnashörnern in Afrika an meinem Verhalten geändert - gut, ich habe den Fernseher vor vier Jahren abgeschafft - aber sonst? Nichts! Noch eines: Zur Wende gab es überhaupt keine offiziellen Nachrichten über das Geschehen. Aber die, die es eigentlich nicht gab, haben mein Leben wirklich verändert. Gibt es im Gegenschluss die vielen News vielleicht sogar genau deshalb, damit alles so bleibt wie es ist??

Komplment an dieser Stelle noch für Ihren tollen Blog!

04 April, 2012

Morgenländer hat gesagt…

Herzlich willkommen im Blog!

"Die Medien sind so wichtig wie WIR sie als Nachrichtenkonsumenten (= Verbraucher = Nachrichtenkunden) machen."

Das ist ein interessanter Ansatz, und Ihr Gedanke, die vielen News gebe es gerade deshalb, damit alles so bleibt, wie es ist, hat viel für sich.

Die Meldungen im Stundentakt, die 'Newsticker' und die sich jagenden 'Eilmeldungen' dienen vermutlich wirklich nicht nur zur Auflagensteigerung, sondern auch zur Ablenkung, denn wer sich ihnen Tag für Tag aussetzt, findet kaum noch die Muße, sich gründlichere Gedanken zu machen.

Ich habe mal ein halbes Jahr (fast) ohne Zeitungen und Nachrichten gelebt, während einer Wanderung in Spanien, und als ich dann wieder hier war, war ich erstaunt, wieviel Lebenszeit mir dadurch geschenkt wurde, dass ich mich nicht mit all den Nebensächlichkeiten befasst hatte, die einen sonst mit Beschlag belegen.

Allerdings bin ich nicht so optimistisch wie Sie, wenn Sie schreiben, dass die zwei Millionen BILD-Leser ja ohnehin zu passiv sein, um Schaden anzurichten.

Ist nicht diese konsumistische Lethargie schon ein Teil des Schadens?

Und muss man nicht fürchten, dass eine Wahlbürgerschaft, die sich daran gewöhnt hat, die Welt in leicht verdaulichen 60-Sekunden-Einspielungen und BILD-Schlagzeilen erklärt zu bekommen, irgendwann geistig zu träge geworden ist, um wirklich vernehmlich "Nein" zu sagen, wenn es einmal notwendig werden sollte?

Viele Grüße
Morgenländer

Lunario hat gesagt…

Ich fürchte, die akute Gefahr ist nicht, dass die Leute verlernen "nein" zu sagen (also z.B. ihre eigene Meinung kundzutun, auch wenn sie gegen den Mainstream läuft), sondern dass es irgendwann garkeine Rolle mehr spielt, wenn man es tut, weil sowieso niemand mehr hinhört. Wenn jegliches Geschehnis, ganz gleich ob gesellschaftlich oder politisch, zu einem Momentereignis mit Unterhaltungscharatker verkommt (und diese Entwicklung ist wohl offensichtlich, selbst in vermeintlich seriösen Medien) und wenn die Mehrheit der Menschen nur noch mit Überkonsum und dem Austausch von Trivialitäten abgelenkt werden will um nicht über die eigene Sinn- und Wesensleere nachzudenken, wer ist dann noch dazu in der Lage, wichtig von unwichtig zu unterscheiden? Und wie kommt man dann noch der Wahrheit auf die Spur? Was ist dann überhaupt noch aufrichtig gemeint?
Neil Postman hatte recht: Wir amüsieren uns zu Tode.

Morgenländer hat gesagt…

Lieber Lunario,

dass jedes Geschehnis in der Medienmühle zu einem Unterhaltungsthema verarbeitet wird, sehe ich auch so.

Das jüngste Beispiel für diesen Mechanismus ist die derzeitige Grass-Debatte, wo es offenbar nur noch darum geht, wer die knalligste Überschrift findet; das eigentlich recht unbedeutende 'Ereignis' (die wenig sachkundige und recht einseitige Kritik Grass' an der israelischen Außen- und Militärpolitik) ist dabei schon fast in Vergessenheit geraten.

Aber diese unerfreuliche Entwicklung ist, das hoffe ich jedenfalls, auch wieder umkehrbar.

Mit den Worten Abraham Lincolns:

"You may fool all the people some of the time; you can even fool some of the people all the time; but you cant fool all of the people all the time."

Herzliche Grüße
Morgenländer

PS: Hast du eigentlich schon mal daran gedacht, deinen Blog wiederzueröffnen?

Lunario hat gesagt…

Ich hoffe nur, dass sich die Entwicklung, falls sie sich umkehrt, nicht zum anderen Extrem - der völligen Dominanz weniger über Inhalt und Art und Weise der Berichterstattung umkehrt. Leider finden Menschen ja nur selten das Mittelmaß.

-

Ja, ich habe in der Tat schon darüber nachgedacht - in letzter Zeit ganz besonders, da einiges in mir vorgeht... mal schauen.

Morgenländer hat gesagt…

Lieber Lunario,

eine "völlige Dominanz weniger über Inhalt und Art und Weise der Berichterstattung" ist heutzutage Gott sei Dank schwerer zu verwirklichen als in früheren Zeiten:

Selbst in Staaten wie dem Iran gelingt es den Herrschenden ja immer weniger, die kritische Gegenöffebtlichkeit ganz und gar mundtot zu machen.

Wenn Du Deinen Blog wiederbeleben würdest, würde mich das freuen; er hat mir ein wenig gefehlt.

Herzliche Grüße
Morgenländer

Lunario hat gesagt…

Nunja, vielleicht braucht ein Tyrann (oder eine kleine Gruppe von Leuten, die die Macht an sich reißen wollen) ja gar nicht immer gegen Widerstände oder durch Tücke das Ruder an sich zu reißen, sondern könnte einfach darauf zählen, dass immer mehr Menschen keine Lust mehr auf langwierige, gemäßigte und insgesamt eher unspektakuläre Politiken haben. Napoleon konnte sich vor allem deshalb behaupten, weil die Menschen der Revolution überdrüssig waren. Und Dissidenten würden dann, wie ich vorhin schon in meinem ersten Kommentar schrieb, sowieso keine Resonanz mehr finden, da die Massen keinerlei unbequemen Argumenten mehr zugänglich wären.

Morgenländer hat gesagt…

"... dass immer mehr Menschen keine Lust mehr auf langwierige, gemäßigte und insgesamt eher unspektakuläre Politiken haben."

Hm, aber ist es nicht eher so, dass die Leute kein Interesse mehr an dem haben, was ihnen heutzutage als Politik präsentiert wird? Die 'Tagesschau', um nur ein Beispiel zu nennen, ermüdet auch mich nach nur drei, vier Minuten. Aber da, wo wo die Leute 'Politik' mit ihren eigenen Erfahrungen verknüpfen können, gibt es doch auch heute oft viel Engagement und lebhafte Diskussionen.

Viele Grüße
Morgenländer

Lunario hat gesagt…

Es gibt da die Erzählung im Epilog von Dostojewskis "Schuld und Sühne", wonach es eine Zeit gebe, in der immer mehr Menschen mit Vernunft und Willen befallen sind und diese Seuche dazu führte, dass jeder glaubte, die Wahrheit zu besitzen, aber gleichzeitig niemand mehr wusste, was richtig und was falsch ist. Und all die Arbeit, die hätte getan werden müssen, stand still, weil Leute endlose Debatten führten und jeder seine Gedanken und Ideen einbrachte, ohne dass man sich je einigen konnte. Und es waren nur ein paar Wenige, die sich davor retten konnten und in Zurückgezogenheit ihr Dasein fristeten. Denn nie hatte sich jemand für diese Menschen interessiert oder ihnen gar Einfluss gewährt.

Was ich sagen will ist: Es regt sich zwar etwas im Kleinen, und das ist wohl auch gut so, aber im Großen und Ganzen ändert sich nichts. Dabei braucht es eben Interesse an mehr als dem Alltäglichen. Wenn aber die "große Politik" voll von Regularitäten und vorhersehbarem Nichts ist, wie kann dann noch Interesse an ihr entstehen?

Morgenländer hat gesagt…

Lieber Lunario,

Jean Paul schreibt in seiner Vorrede zum "Leben Fibels" (1811), "leise Menschen (haben) tiefer, wenigstens fruchtbringender in die Zukunft hinein gehandelt als laute; den Stillen im Lande wurde öfters Raum und Zeit das Sprachgewölbe, das sie zu den Lauten außer Landes machte."

Inmitten des allgemeinen Lärms finde ich diese Zeilen sehr ermutigend.

Herzliche Grüße
Morgenländer

MartininBroda hat gesagt…

@Lunario Wo dieser Post in meinem Browser nun schon so lange offen ist, sozusagen ein abschließender Nicht-Kommentar: "Sinn- und Wesensleere", das fand ich bemerkenswert, und ebenso die Frage "Und wie kommt man dann noch der Wahrheit auf die Spur?" Offensichtlich eine mühselige Angelegenheit mit ungewissem Ausgang, alles Gute dafür.